FAQs rund um das Thema Essstörungen

Hierbei handelt es sich um ernstzunehmende psychosomatische Erkrankungen, die durch Verhaltensstörungen rund um das Essen gekennzeichnet sind. Essstörungen können langfristige körperliche und psychische Schäden nach sich ziehen. Sie dominieren die Gedanken, Gefühle und Beziehungen der Betroffenen.

Grob lassen sie sich in vier Gruppen einteilen: Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Binge-Eating-Disorder (Esssucht) und die Gruppe der „Nicht näher bezeichneten Essstörungen“. Des Weiteren gibt es weitere Unterformen gestörten Essverhaltens wie z.B. Orthorexia nervosa, Sportanorexie/bulimie oder das Night-Eating-Syndrom.

Die Anorexie (Anorexia nervosa oder Magersucht) ist eine sehr auffällige Essstörung, da sie mit massivem Untergewicht verbunden ist. Die Betroffenen haben das krankhafte Bedürfnis ihr Gewicht immer weiter zu vermindern, wobei es zu einer lebensbedrohlichen Unterernährung oder anderen schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen kommt. Bei der Magersucht lassen sich zwei Formen unterscheiden: der Restriktive-Typ und der Binge-purging-Typ. Der Restriktive-Typ erreicht den Gewichtsverlust bzw. die fehlende Gewichtszunahme durch Essensverweigerung, Meidung von kalorienreichen Speisen und/oder exzessivem Bewegungsverhalten. Beim Binge-purging-Typ wird durch Erbrechen oder den Gebrauch von Abführmitteln bzw. entwässernden Medikamenten versucht das Gewicht zu reduzieren. In diesem Fall kann es auch zu Essanfällen kommen.

Charakteristisch für Anorexie, mögliche Merkmale und Symptome:

  • Niedriges Körpergewicht

  • Angst vor Gewichtszunahme

  • Selbst herbeigeführter Gewichtsverlust

  • Verzerrte Körperwahrnehmung

  • Ausbleiben der Menstruation bei Frauen und Potenzverlust bei Männern

  • Gedankliche Beschäftigung mit Kalorienzählen

  • Verweigerung der Teilnahme an gemeinsamen Essen

  • Leistungsorientierung und Versagensängste

  • Ignorieren der eigenen Körpersignale

Bulimie (Bulimia nervosa oder Ess-Brech-Sucht) ist eine Essstörung, die durch unkontrolliertes Verlangen nach Essen und anschließenden selbst angewandten gewichtsreduzierenden Maßnahmen gekennzeichnet ist.

Die Bulimie lässt sich in zwei Untergruppen einteilen: Purging-Typ und Non-purging-Typ. Beim Purging-Typ wird nach Essattacken durch selbst herbeigeführtes Erbrechen oder Substanzmissbrauch (Abführmittel oder entwässernde Medikamente) der befürchteten Gewichtszunahme entgegengewirkt. Im Gegensatz dazu setzt der Non-Purging-Typ auf striktes Fasten oder exzessives Bewegungs-/Sportverhalten um die Essattacke zu kompensieren.

Charakteristisch für Bulimie, mögliche Merkmale und Symptome:

  • Wiederholte Essattacken

  • Kompensatorische Verhaltensweisen

  • Angst vor Gewichtszunahme, Gewichtsschwankungen

  • Meist normalgewichtig (auch Unter- oder Übergewicht möglich)

  • Selbstwert wird maßgeblich von Figur und Körpergewicht beeinflusst

  • Scham und Schuldgefühle

  • Gefühl von Langeweile und Leere, Frustration, Angst und Wut

  • Depressive Verstimmung

  • Substanzmissbrauch

Binge Eating Disorders werden auch Essattacken mit Kontrollverlust genannt. Hierbei handelt es sich um eine Essstörung, die durch wiederkehrende Essanfälle gekennzeichnet ist, wobei in diesem Fall keine gewichtsreduzierenden Maßnahmen durchgeführt werden. Die Betroffenen leiden häufig an Übergewicht/Adipositas.

Charakteristisch für Binge Eating Disorders, mögliche Merkmale und Symptome:

  • Essattacken ohne gewichtsreduzierende Maßnahmen

  • Kontrollverlust

  • Übergewicht/Adipositas

  • Essen als Befriedigung von emotionalen Bedürfnissen

  • Sättigungsgefühl nicht spürbar

  • Schamgefühl, Einsamkeit, Überforderung

  • Depressive Verstimmung

Die Praxis zeigt, dass nur ein Teil der Betroffenen die definierten Merkmale einer Anorexie oder Bulimie erfüllt. Der größere Anteil lässt sich aufgrund der Symptomatik nicht eindeutig einem bestimmten Essstörungstyp zuordnen, weshalb die Gruppe der „Nicht näher bezeichneten Essstörungen“ definiert wurde.

Diese Diagnose wird beispielsweise gestellt, wenn bei einer Frau sämtliche Kriterien einer Anorexie erfüllt werden, sie aber trotzdem regelmäßig ihre Menstruation hat oder das Körpergewicht der Person trotz starkem Gewichtsverlust noch im Normalbereich liegt.

Von Adipositas spricht man bei starkem Übergewicht, das der Gesundheit schaden kann. Adipositas ist eine chronische Krankheit, die mit eingeschränkter Lebensqualität und hohem Risiko für Folgeerkrankungen einhergeht.

Zur reinen Adipositas lässt sich die Binge-Eating-Störung vor allem durch das regelmäßige Auftreten von Essanfällen abgrenzen, zudem durch ein negativeres Körperbild, größere Einschränkungen im Sozialverhalten sowie höhere Prävalenzraten komorbider psychiatrischer Störungen.

Zur Zeit besteht kein Angebot im LeLi-Tageszentrum für diese Art von Essstörung/Erkrankung.

Darunter wird ein krankhafter Zwang verstanden, sich gesund ernähren zu müssen. Die Betroffenen vermeiden für sie als „ungesunde Lebensmittel“ eingestufte Produkte strikt und achten nur auf die Qualität und nicht auf die Quantität. Häufig kommt es zur Selbstisolation, da gemeinsames Essen vermieden wird, wenn dieses nicht selbst zubereitet wurde. Orthorexia nervosa kann als Vorstufe einer Magersucht oder als Begleitsymptom einer Essstörung angesehen werden.

Charakteristisch für Orthorexia nervosa, mögliche Merkmale und Symptome:

  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Mangelerscheinungen
  • Depressive Verstimmungen
  • Untergewicht/Gewichtsabnahme
  • Leidensdruck und Kontrollverlust

Falsche Annahmen über Essstörungen können zu nicht hilfreichen Reaktionen seitens der Außenwelt führen, die wiederum in starken Belastungen bei den Betroffenen oder auch Angehörigen resultieren. Leider kursieren immer noch weit verbreitete Mythen über Essstörungen, welche im Folgenden beispielhaft angeführt werden:

  • „Die Eltern/besonders Mutter ist dafür verantwortlich, dass das Kind eine Essstörung entwickelt hat.“
  • „Betroffene entscheiden sich bewusst dafür eine Essstörung zu haben und wollen nicht gesund sein.“
  • „Betroffene wollen ihre Angehörigen damit bestrafen.“
  • „Wenn das Kind einer Familie eine Essstörung entwickelt hat, benötigt die ganze Familie eine Therapie.“
  • „Betroffene wollen aussehen wie Models und sind nur eitel.“
  • „Essgestörte Menschen wollen nur Aufmerksamkeit von ihrer Umwelt erlangen.“
  • „Die Essstörung ist nur eine Phase (z.B. Pubertät), die von allein vorüber geht bzw. aus der man herauswächst.“
  • „Wenn die Betroffenen einmal in einem stationären Aufenthalt sind, sind sie nach Entlassung vollständig geheilt.“
  • „Essstörungen sind extreme Diäten.“
  • „Wer einmal an einer Essstörung leidet, kann nie wieder vollständig gesund werden.“
  • „Sobald die Betroffenen ein Normalgewicht erreicht haben, sind sie geheilt.“

Familie und Freund*innen spielen eine wichtige Rolle beim Erkennen und Überwinden der Erkrankung. Daher bieten wir auch für Angehörige Informationsveranstaltungen, Gruppenangebote und Hilfestellung bei der Suche nach eigenen Therapiemöglichkeiten an.

Nicht selten kommt es vor, dass sich Familienmitglieder und Freund*innen durch die Essstörung überfordert und belastet fühlen. Familien neigen dazu, sich von der Außenwelt abzukapseln und zu isolieren. Die ständige Präsenz der Essstörung fordert die ganze Familien- und Freundesstruktur der betroffenen Person. Um stressbedingte Probleme zu vermeiden, ist es essenziell, dass Angehörige sich die Zeit nehmen, sich um sich selbst zu kümmern und Selbstfürsorge zu betreiben. Es geht darum eigene Überlebensstrategien zu entwickeln, um die betroffene Person weiterhin bestmöglich unterstützen zu können.

Was kannst du konkret tun?

  • wöchentlich angenehme Aktivitäten für sich selbst einplanen (sich mit Freund*innen treffen, alten Hobbies nachgehen, neue Hobbies entdecken)
  • gleichmäßige Verteilung der Haushaltsaufgaben in der Familie (Teambuilding zu Hause)
  • mache Dinge die dir Freude und Spaß bereiten und im besten Fall positive Erfolge bringen, um neue Energie zu schöpfen
  • lebe dem/der Betroffenen emotional intelligente Lebensweisen vor
  • kurze Zeit auf sich allein gestellt zu sein, lässt den/die Betroffene*n langsam Selbstvertrauen für die Zukunft aufbauen
  • nimm dir genügend Zeit für die anderen Familienmitglieder
  • halte so viele Kontakte mit Menschen außerhalb der Familie wie möglich
  • sprich mit außenstehenden Personen über deine Sorgen/Gedanken
  • meide gesundheitsschädigende Verhaltensweisen (Alkoholkonsum zum Ausblenden der aktuellen Situation, Isolation von Bezugspersonen)
  • hol dir selbst professionelle Hilfe bzw. sprich mit einem Arzt/einer Ärztin darüber, ob dies notwendig für dich ist
  • fördere die positiven Aspekte der Beziehung zum/zur Betroffenen, indem ihr gemeinsame Aktivitäten plant, die nicht mit der Essstörung in Verbindung stehen wie z.B. einen Spaziergang, ein Kinobesuch, ein gemeinsames Brettspiel
  • schätze und kommuniziere die kleinen Fortschritte, denn Veränderungen passieren nicht über Nacht
  • halte das Positive fest im Blick und lobe den/die Betroffene*n
  • arbeite mit dem Fachpersonal an einem Strang und findet einen gemeinsamen Weg
  • essgestörte Menschen neigen dazu Angehörige gegeneinander auszuspielen, weswegen ein einheitlicher Ansatz innerhalb der Familie wichtig ist
  • versuche geduldig, ruhig und empathisch zu bleiben

Das Einhalten von Diäten ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Wie kannst Du nun erkennen, ob es sich nicht doch um eine Essstörung handelt?

Anschließend findest du einige Anzeichen, die ein Hinweis darauf sein KÖNNEN, dass es sich um eine Essstörung handelt bzw. eine krankhafte gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema Essen vorliegt:

  • Das Leugnen einer Diät (jemand der auf Diät ist, spricht ständig darüber)
  • Die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten (z.B. Veganer*in, Vegetarier*in)
  • Das Leugnen von Hungergefühlen und Heißhungerattacken
  • Das Verbergen des Gewichtsverlustes durch beispielsweise weite Kleidung
  • Ein erhöhtes Interesse an gesunder Ernährung und Lebensmitteln (kochen für andere, Rezeptbücher durchforsten, Kalorienzählen, usw.)
  • Die Behauptung, nur sehr wenig Nahrung zu benötigen, sehr langsames essen, sehr kleine Bissen
  • Das Vermeiden in Gemeinschaft zu essen (Ausrede meist, dass schon gegessen wurde)
  • Ein zwanghaftes Verhalten auch in anderen Bereichen (z.B. im Haushalt, beim Organisieren)
  • Die Zunahme von sozialer Isolation und schlechter Laune
  • Das häufige Verschwinden auf der Toilette während oder nach dem Essen
  • Das übermäßige Benutzen von Raumsprays oder Parfüms, um den Geruch von Erbrochenem zu kaschieren
  • Die steigende Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und den eigenen Leistungen und Fähigkeiten (z.B. „Ich bin dumm“, „Ich bin faul“, „Ich bin unfähig“, „Ich bin nutzlos“)
  • Das vermehrte Sporttreiben (sehr intensives Programm bis zur Erschöpfung)
  • Die starke Gereiztheit bei Konfrontation mit Bemerkung über das Essverhalten oder das Sportprogramm